Ein einziges strukturiertes Seminar hat die Fähigkeit der Studierenden, dermatologische Erkrankungen bei Menschen mit dunklerer Hautfarbe zu erkennen, erheblich verbessert. Dies bietet Beweise dafür, dass gezielte Bildung dazu beitragen kann, diagnostische Lücken in vielfältigen Patientengruppen zu schließen.
Die Ausbildung in der Dermatologie berücksichtigt oft nicht die Unterschiede, wie Hautveränderungen bei verschiedenen Hauttypen, einschließlich Patienten mit dunklerer Hautfarbe (SoC), erscheinen. Dies trägt zu Gesundheitsunterschieden bei. Eine kürzlich in PLOS One veröffentlichte Studie untersuchte die Auswirkungen eines Pflichtseminars zur Ausbildung von Medizinstudierenden hinsichtlich der Identifizierung von Hautkrankheiten bei SoC.
Unterrepräsentation dunklerer Hauttypen in der Ausbildung
SoC wird auch als Fitzpatrick-Phänotypen IV-VI definiert und umfasst eine Vielzahl von stark pigmentierter Haut. Hautkrankheiten, die SoC betreffen, werden in der medizinischen Ausbildung oft schlecht dargestellt. Da die dermatologische Diagnose stark visuell basiert ist, behindert dies eine angemessene Gesundheitsversorgung für Menschen mit SoC und kann zu verspäteten oder falschen Diagnosen führen.
Frühere Forschungen haben gezeigt, dass Hautkrankheiten, die SoC betreffen, eher falsch diagnostiziert werden als solche, die bei hellerer Haut auftreten. Melasma und Keloide sind Hautkrankheiten, die häufiger bei SoC auftreten, während Melanome häufiger bei helleren Hauttypen vorkommen. Dies zeigt die Variabilität in der Prävalenz von Hautkrankheiten in Abhängigkeit von der Hautfarbe. Zudem wird Melanom bei SoC oft in fortgeschritteneren Stadien diagnostiziert.
Medizinstudierende beklagen, dass sie nicht ausreichend ausgebildet werden, um Hautkrankheiten bei SoC zu diagnostizieren. Dies erfordert Forschung, um die effektivsten Wege zur Verbesserung der medizinischen Ausbildung in diesem Bereich zu identifizieren, insbesondere angesichts der Tatsache, dass jede Gesellschaft heute einen erheblichen Anteil an Menschen mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen hat.
Die Autoren dieser Studie integrierten 2023 ein Seminar über Hauttypvielfalt in den medizinischen Lehrplan des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf in Deutschland. Die Studierenden berichteten anfänglich, dass sie sich nach dem Seminar kompetenter im Umgang mit Hautkrankheiten fühlten, und die meisten gaben an, mehr über SoC in ähnlichen Kursen lernen zu wollen.
Die aktuelle Studie untersuchte, ob das Seminar die Fähigkeit der Studierenden, Hautkrankheiten bei SoC korrekt zu identifizieren, durch objektive Tests vor und nach dem Seminar effektiv verbessert hat.
Bildbasierte Bewertung von acht Hautkrankheiten bei SoC
Die Forscher rekrutierten Medizinstudierende im vierten Jahr der Universität Hamburg. Die Analyse umfasste 142 Studierende, die sowohl die Vor- als auch die Nachtestbewertungen abgeschlossenen haben, wobei die Mehrheit weiblich war. Das Seminar fand in Gruppen von etwa 20 Studierenden statt und stellte acht häufige Hautkrankheiten bei SoC vor, darunter entzündliche, infektiöse, autoimmune und neoplastische Erkrankungen. Konkret wurden die folgenden Erkrankungen bewertet: Tinea, Melasma, atopische Dermatitis, Varizellen, Keloide, Vitiligo, Psoriasis und akraler lentiginöser Melanom.
Das Seminar war eine interaktive 90-minütige Sitzung, die einen 45-minütigen Teil zur Hauttypvielfalt beinhaltete. Es kombinierte kurze Vorträge, fallbasierte Lernmethoden und Gruppendiskussionen. Die Studierenden wurden in das Fitzpatrick-Hauttypklassifikationssystem eingeführt und lernten über anatomische und physiologische Unterschiede zwischen heller und dunkler Haut sowie über spezifische diagnostische Herausforderungen bei dunkleren Hauttypen. Standardisierte klinische Bilder wurden verwendet, um die Studierenden mit häufigen dermatologischen Erkrankungen bei SoC vertraut zu machen. Zudem wurden psychosoziale Überlegungen sowie breitere Fragen der gesundheitlichen Chancengleichheit in der dermatologischen Versorgungansprache thematisiert.
Das Lehrformat basierte auf den Prinzipien des Erwachsenlernens und betonte die Bedeutung diagnostischer Kompetenz für die zukünftige Praxis. Die Studierenden diskutierten mögliche Diagnosen, basierend auf vorheriger klinischer Erfahrung, überprüften reale Patientenbilder und untersuchten einen Fallbericht, der eine Fehldiagnose bei SoC veranschaulichte, um das angewandte Lernen und die Motivation zu fördern.
Studierende müssen an mindestens 85 % der Pflichtveranstaltungen teilnehmen, was bedeutete, dass die Teilnahme am Seminar zwar verpflichtend war, aber nicht universell erfolgte. Zusätzlich zu diesem Seminar umfasste das Dermatologiemodul 13 45-minütige Vorlesungen, ein interaktives 90-minütiges Seminar über Infektionskrankheiten und zwei 90-minütige Praxisunterrichte. Zum Zeitpunkt des SoC-Seminars war bereits mindestens 75 % des Dermatologielehrplans abgeschlossen; jedoch hatte keines der früheren Materialien spezifisch auf Dermatologie bei SoC fokussiert.
Die Studierenden legten einen Multiple-Choice-Test mit standardisierten klinischen Bildern zu Beginn und am Ende des Seminars ab. Der Nachtest wurde unmittelbar nach der Sitzung durchgeführt, was eine Bewertung der kurzfristigen Lerneffekte ermöglichte. Verschiedene Bilder derselben acht Hautkrankheiten wurden in den Vor- und Nachtests verwendet, und keines der Testbilder wurde während der Lehrveranstaltung gezeigt. Neben dem objektiven Test bewerteten die Studierenden ihr Interesse an Dermatologie und schätzten ihre diagnostische Fähigkeit und ihr Wissen über Hauttypunterschiede mithilfe einer Likert-Skala.
Diagnosegenauigkeit steigt von 55 % auf 92 %
Zu Beginn konnten nur 27 % der Studierenden Melasma identifizieren, und 40 % konnten Keloide identifizieren. Insgesamt wurden vor dem Seminar 55 % der Bilder richtig identifiziert. Etwa 23 % der Studierenden berichteten von einem hohen Interesse an Dermatologie, und innerhalb dieser Untergruppe wurden 68 % der Bilder zu Beginn korrekt diagnostiziert.
Nach dem Seminar erkannten die Studierenden über 92 % der acht Hautkrankheiten anhand der angezeigten Bilder korrekt. Die größten Verbesserungen waren bei Melasma (66 %), Keloiden (51 %) und Tinea (48 %) zu verzeichnen. Die Selbstbewertung der Fähigkeit zur Diagnose von Hautkrankheiten bei SoC stieg von einem Durchschnittswert von 2 auf 3,6 auf der sechs Punkt Likert-Skala. Die Studierenden berichteten auch von einem signifikant größeren Wissen über das Fitzpatrick-Klassifikationssystem sowie über anatomische und physiologische Unterschiede zwischen helleren und dunkleren Hauttypen.
Einschränkungen der Studie
Die Schlussfolgerungen der Studie werden durch die Verwendung objektiver, bildbasierter Tests gestärkt, anstatt sich nur auf Selbstbewertungen zu verlassen. Das quasi-experimentelle Vorher-Nachher-Design fehlte jedoch eine Kontrollgruppe, sodass keine kausalen Schlussfolgerungen definitiv gezogen werden können. Da der Nachtest unmittelbar nach dem Seminar durchgeführt wurde, spiegeln die Ergebnisse kurzfristige Wissensgewinne wider und liefern keine Beweise für eine langfristige Beibehaltung oder reale diagnostische Leistung.
Darüber hinaus könnten die dermatologischen Vorerfahrungen der Studierenden, ihr Ausgangswissen und ihre unterschiedlichen Interessen an Dermatologie die Ergebnisse beeinflusst haben. Die Verwendung von Multiple-Choice-Fragen repliziert nicht vollständig reale klinische Begegnungen, und die Studie wurde in einem einzelnen Universitätsklinikum in Deutschland durchgeführt, was die Generalisierbarkeit auf andere Bildungs- oder Kulturkontexte einschränkt.
Lehrplanreform könnte Ungleichheiten reduzieren
Nach dem Seminar waren die Studierenden besser in der Lage, acht Hautkrankheiten bei SoC genau zu erkennen. Dies trägt dazu bei, einen Bildungsfaktor anzugehen, der zu ungleicher dermatologischer Gesundheitsversorgung beiträgt, und kann dazu beitragen, Ungleichheiten bei der Diagnosegenauigkeit, insbesondere für schwerwiegende Erkrankungen wie akralen lentiginösen Melanom, zu mindern.
Der Einsatz von verpflichtenden, zielgerichteten Seminaren könnte dazu beitragen, die Gesamtkompetenz zukünftiger Ärzt:innen bei der Erkennung von Hautveränderungen bei SoC zu erhöhen, unabhängig von ihrem persönlichen Interesse an Dermatologie. Diese Ergebnisse müssen jedoch in größeren und vielfältigeren Kohorten bestätigt werden, mit einer langfristigen Nachverfolgung, um festzustellen, ob Verbesserungen der kurzfristigen diagnostischen Leistung in nachhaltige klinische Kompetenz und messbare Reduzierungen von Gesundheitsungleichheiten übersetzt werden.
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Quellen:
- Abeck, F., Heinen, I., Heidrich, I., et al. (2026). Testing undergraduate medical students’ ability to correctly identify skin conditions in skin of color – A pre-post-study at a medical school in Germany. PLOS One. DOI: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0342922. https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0342922