Ein Team um den LMU-Arzt Daniel Kotlarz hat eine bisher unbekannte genetische Ursache für Morbus Crohn identifiziert.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen nehmen weltweit zu. Trotz großer Fortschritte in Diagnostik und Therapie sind die zugrunde liegenden Ursachen dieser Erkrankungen oft noch unklar. Ein internationales Forschungsteam des VEO-IBD-Konsortiums (ein globales Forschungsnetzwerk, das vom Leona M. and Harry B. Helmsley Charitable Trust unterstützt wird) unter Beteiligung des LMU-Universitätsklinikums und des Hospital for Sick Children (SickKids) in Toronto hat eine bisher unbekannte genetische Ursache für chronisch entzündliche Darmerkrankungen identifiziert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift veröffentlicht Gastroenterologie.

An der Studie nahmen Forscher aus Kanada, Deutschland, den USA, China, Japan, Frankreich, Spanien und Saudi-Arabien teil. „Die Arbeit unterstreicht die Bedeutung internationaler Kooperationen für die Aufklärung seltener Krankheiten und die Entwicklung neuer Therapieansätze für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen“, sagt Daniel Kotlarz, Heisenberg-Professor für Präzisionsmedizin der pädiatrischen IBD am Universitätsklinikum der LMU und einer der korrespondierenden Autoren der Studie.

Die Forscher zeigten, dass pathogene Varianten im Gen BIRC3 kann eine schwere Form von Morbus Crohn verursachen. Während der Studie identifizierten sie 14 Patienten aus 10 verschiedenen Familien, die pathogene Varianten in sich trugen BIRC3. Mithilfe modernster genetischer, transkriptomischer und proteomischer Analysen sowie experimenteller Modellsysteme gelang es den Forschern, die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen aufzuklären.

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Die Studie zeigt, dass der Verlust von BIRC3 Funktion führt zu einer Fehlregulation des RIPK1-Signalwegs im Darmepithel. „Unsere Ergebnisse zeigen zum ersten Mal, wie der Verlust von BIRC3 beeinträchtigt die Schutzfunktion der Darmschleimhaut bei Patienten und begünstigt so chronische Entzündungen“, sagt Xiang Shen, Mitautor der Studie und Wissenschaftler an der Dr. von Hauner-Kinderklinik des Universitätsklinikums der LMU.

Die Bedeutung der Erkenntnisse geht über seltene genetische Erkrankungen hinaus. Die Forscher fanden Hinweise darauf, dass der gleiche Signalweg auch bei häufigeren Formen von Morbus Crohn eine wichtige Rolle spielen könnte. „Diese Studie zeigt eindrucksvoll den Mehrwert, den internationale Forschungsnetzwerke für das Verständnis seltener Krankheiten bringen.

Nur durch die enge Zusammenarbeit zwischen Klinikern und Forschern auf der ganzen Welt konnten wir genügend betroffene Personen identifizieren, um einen neuen Krankheitsmechanismus und ein potenzielles therapeutisches Ziel aufzudecken“, erklärt Dr. Aleixo Muise, leitender Wissenschaftler bei SickKids und Co-Direktor des IBD Center, einer der Leiter der internationalen Studie.

Für die Forscher ist die Studie ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Präzisionsmedizin bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

Seltene monogenetische Erkrankungen ermöglichen einzigartige Einblicke in die biologischen Ursachen chronisch entzündlicher Darmerkrankungen. Die Entdeckung von BIRC3 Der Mangel stellt nicht nur eine neue Diagnose für betroffene Familien dar, sondern eröffnet potenziell neue Ansätze für gezielte Therapien, von denen künftig auch größere Patientengruppen profitieren könnten.“

Daniel Kotlarz, Heisenberg-Professor für Präzisionsmedizin der pädiatrischen IBD, Universitätsklinikum der LMU


Quellen:

Journal reference:

Li, Q., et al. (2026). BIRC3 (Encoding Cellular Inhibitor of Apoptosis Protein 2) Variants Result in Dysregulated Receptor-Interacting Protein Kinase 1 Signaling Leading to Increased Epithelial Cell Death and Are Associated With Monogenic Crohn’s Disease. Gastroenterology. DOI: 10.1053/j.gastro.2026.05.022. https://www.gastrojournal.org/article/S0016-5085(26)06946-5/fulltext