Da die Plastikverschmutzung weltweit zunimmt, entdecken Wissenschaftler eine neue und beunruhigende Möglichkeit. Winzige Plastikfragmente in der Luft, bekannt als Mikro- und Nanoplastik, können mehr als nur die Luft verschmutzen, die wir atmen. Sie könnten auch dazu beitragen, dass Viren verweilen und sich weiter ausbreiten, was möglicherweise die Ausbreitung von Atemwegserkrankungen beeinflusst.

Ein Kommentar veröffentlicht in Neue Verunreinigungen von Mengjie Wu und Huan Zhong von der Universität Nanjing macht auf die aufkommende Sorge aufmerksam, dass in der Luft befindliches Plastik als unsichtbarer Träger für Viren fungieren könnte. Während Kunststoffe bereits als globale Bedrohung für die Umwelt gelten, hebt die Studie hervor, dass ihre mikroskopisch kleinen Formen in der Luft auch eine versteckte Rolle bei menschlichen Infektionen spielen könnten.

Die weltweite Kunststoffproduktion erreichte im Jahr 2020 mehr als 540 Millionen Tonnen und wird in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich stark ansteigen. Beim Abbau von Kunststoffen in der Umwelt entstehen große Mengen an Mikro- und Nanoplastik, die sich heute im Boden, im Wasser und in der Luft befinden. Studien haben bis zu 528 Partikel pro Kubikmeter in der Raumluft nachgewiesen, was bedeutet, dass Erwachsene täglich Zehntausende dieser Partikel einatmen können.

Menschen betrachten Mikroplastik oft als ein Problem der Ozeane. Aber wir atmen sie jeden Tag ein und ihre Interaktionen mit Mikroben und Viren könnten weitaus komplexer sein, als wir uns vorstellen.“

Mengjie Wu, Hauptautorin

Die Forscher beschreiben, warum diese winzigen Kunststoffe wirksame Virusüberträger sein könnten. Ihre Größe überschneidet sich mit der vieler menschlicher Viren und ihre leichten, kohlenstoffbasierten Oberflächen können über längere Zeiträume in der Luft schweben. Dieselben Oberflächen können auch Bakterien und Pilze beherbergen, die anhaftende Viren vor ultraviolettem Licht oder dem Austrocknen schützen könnten. Zusammen könnten diese Eigenschaften dazu führen, dass Viren länger überleben und sich weiter in der Atmosphäre ausbreiten.

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Hinweise auf andere Partikel in der Luft unterstützen diese Möglichkeit bereits. Labor- und Modellstudien haben gezeigt, dass Viren wie Influenza A sich an Feinstaub anheften und beim Einatmen infektiös bleiben können. Da es sich bei Mikro- und Nanoplastik um eine einzigartige Untergruppe luftgetragener Partikel mit höherer Persistenz handelt, könnten sie theoretisch noch wirksamer beim Schutz vor Viren sein.

Die COVID-19-Pandemie bietet ein anschauliches Beispiel. SARS-CoV-2 kann auf Kunststoffoberflächen über eine Woche lang lebensfähig bleiben, was darauf hindeutet, dass auch kleinere in der Luft schwebende Kunststofffragmente infektiöse Viren beherbergen könnten. Während des Ausbruchs auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess wurden bis zu 30 Prozent der Infektionen auf kontaminierte Oberflächen zurückgeführt, was zeigt, wie Kunststoffe die virale Infektiosität aufrechterhalten können. Die Ausweitung dieses Prinzips auf Mikroplastik in der Luft wirft eine dringende Frage für die öffentliche Gesundheit auf.

„Ob diese Teilchen wirklich als Vektoren fungieren, ist noch unbewiesen“, sagte der leitende Autor Huan Zhong. „Aber die Beweise sind stark genug, dass wir die Möglichkeit nicht länger ignorieren können.“

Die Autoren fordern die wissenschaftliche Gemeinschaft auf, über die theoretische Diskussion hinauszugehen und die Hypothese durch koordinierte Labor- und epidemiologische Studien zu testen. Zu den wichtigsten Prioritäten gehören die Messung, wie viele lebensfähige Viren sich an in der Luft befindlichen Kunststoffen festsetzen können, die Ermittlung der Umweltbedingungen, die die Infektiosität bewahren, und die Bestimmung, welche Konzentrationen ein erhebliches Expositionsrisiko darstellen könnten.

Sollte dies bestätigt werden, wären die Auswirkungen tiefgreifend. Kunststoffe, die einst als träge Trümmer galten, könnten sich als aktive Teilnehmer an der Übertragung von Krankheiten erweisen. Städtische und Innenräume, in denen der Plastikgehalt in der Luft am höchsten ist, erfordern möglicherweise neue Strategien für die öffentliche Gesundheit, wie etwa verbesserte Luftfiltersysteme und strengere Kontrollen der Plastikemissionen.

„Dies ist eine Grenze, die Umweltwissenschaft und Infektionskrankheiten verbindet“, sagte Zhong. „Es zu verstehen, wird für den Schutz der Gesundheit des Planeten und der Menschen von entscheidender Bedeutung sein.“


Quellen:

Journal reference:

Wu, M., & Zhong H. (2025). Airborne micro- and nanoplastics: hidden vectors for human infection? New Contaminants. doi: 10.48130/newcontam-0025-0010. https://www.maxapress.com/article/doi/10.48130/newcontam-0025-0010