Neue Forschungsergebnisse der University of Minnesota Medical School bieten eine neue Sicht darauf, wie das Immunsystem auf Organtransplantationen reagiert. Die heute veröffentlichten Ergebnisse in Wissenschaftliche Fortschritte Ein externer Link, der sich im selben Fenster öffnet, zeigt, dass die Erschöpfung der T-Zellen – traditionell als pathologisches Versagen des Immunsystems angesehen – stattdessen eine schützende Rolle spielen kann, indem sie dem Körper hilft, ein gespendetes Organ zu tolerieren.
Die Studie identifiziert die Milz als zentrales Kontrollzentrum für Transplantattoleranz. Forscher fanden heraus, dass die Verabreichung apoptotischer Spenderleukozyten (ADLs) die Expansion spenderspezifischer regulatorischer T-Zellen, sogenannter Tr1-Zellen, auslöst. Diese Zellen helfen, die Immunantwort zu beruhigen, indem sie die Aktivität von T-Zellen begrenzen, die andernfalls das transplantierte Organ angreifen würden, und zwar mithilfe eines Signalwegs namens Areg-EGFR. Dieser gezielte Prozess ermöglicht den Aufbau einer Immuntoleranz, ohne das Immunsystem umfassend zu unterdrücken.
Die meisten Transplantationspatienten benötigen lebenslang Medikamente, die ihr gesamtes Immunsystem unterdrücken. Wir haben herausgefunden, dass die Milz wie ein Trainingszentrum fungieren kann – aber nur, wenn sie richtig instruiert wird. Indem das Immunsystem so programmiert wird, dass es eine Transplantation akzeptiert, anstatt sie auf unbestimmte Zeit zu unterdrücken, hat dieser Ansatz das Potenzial, Langzeitkomplikationen zu reduzieren und die Lebensqualität der Transplantatempfänger deutlich zu verbessern.“
Amar Singh, PhD, Assistenzprofessor, University of Minnesota Medical School
Anstatt das Immunsystem insgesamt zu schwächen, induziert dieser Ansatz einen kontrollierten, spenderspezifischen Zustand in den T-Zellen, der höchstwahrscheinlich eine Abstoßung hervorruft. Dieser milzbasierte Regelkreis bewahrt die Fähigkeit des Körpers, Infektionen zu bekämpfen und unterstützt gleichzeitig die langfristige Transplantatakzeptanz.
„Langfristige Immunsuppression birgt erhebliche Risiken und beeinträchtigt oft den Nutzen einer Transplantation. Erkenntnisse über die in dieser Studie identifizierten Mechanismen der operativen Toleranz könnten die Notwendigkeit einer längeren Immunsuppression überflüssig machen und dadurch die Lebensqualität von Transplantatempfängern verbessern“, sagte Sabarinathan Ramachandran, PhD, außerordentlicher Professor an der University of Minnesota Medical School.
„Toleranz – oft als der Heilige Gral der Transplantation angesehen – war der zentrale Schwerpunkt unserer Forschung mit dem Ziel sicherzustellen, dass Patienten mit Diabetes von einer Inseltransplantation profitieren können, ohne die Belastung einer chronischen Immunsuppression zu tragen“, sagte Dr. Bernhard Hering, Professor an der University of Minnesota Medical School.
Zukünftige Studien werden sich auf die Nutzung der milzzentrierten Immunprogrammierung konzentrieren, um eine dauerhafte Transplantattoleranz zu fördern und breitere Anwendungen bei immunvermittelten Krankheiten zu erkunden, bei denen eine selektive Immunregulation statt einer Unterdrückung erforderlich ist.
Diese Forschung wurde vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases finanziert [grant numbers U01AI102463, U19AI174966, R21AI166163, R21AI190721]der University of Minnesota Foundation, der Diabetes Research and Wellness Foundation und der Minnesota Lions Diabetes Foundation.
Quellen:
Singh, A., et al. (2026). Allospecific splenic Tr1 cells drive effector T cell exhaustion through up-regulated Areg-EGFR signaling to promote transplant tolerance. Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.aea0567. https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.aea0567