Zyklische Peptid-Nanoröhren bieten einen neuen Weg zur Überwindung der Resistenz gegen Krebsmedikamente
Ein Forschungsteam am CiQUS (Universität Santiago de Compostela, Spanien) hat einen innovativen molekularen Ansatz vorgestellt, der es Krebsmedikamenten ermöglicht, den Kern von Tumorzellen zu erreichen, wo sie ihre therapeutische Wirkung entfalten können. Die Studie konzentrierte sich auf Doxorubicin, ein weit verbreitetes Chemotherapeutikum. Eine längere Exposition gegenüber diesem Medikament führt häufig zur Entstehung resistenter Zellen, eine große klinische Herausforderung, die mit dieser Strategie erfolgreich gemeistert werden kann und gleichzeitig die Antitumoraktivität des Medikaments erhalten bleibt.
Der Ansatz basiert auf einem einfachen, aber wirkungsvollen Konzept: der Fähigkeit zyklischer Peptide – kleiner Aminosäureringe –, sich auf der Oberfläche von Krebszellmembranen zu stapeln und selbst zu hohlen zylindrischen Strukturen (Nanoröhren) zusammenzubauen. Das vom Team um Juan R. Granja entwickelte System koppelt Doxorubicin an diese Peptide und leitet es über einen Abgabeweg zum Zellkern, der sich vom üblichen Mechanismus des Arzneimittels unterscheidet. Dadurch kann das Medikament die zellulären Resistenzmechanismen umgehen, die es normalerweise deaktivieren würden.
Im Vergleich zu gesunden Zellen enthalten Krebszellmembranen einen höheren Anteil negativ geladener Lipide. Die in dieser Studie verwendeten zyklischen Peptide zeigen eine starke Affinität zu diesen anionischen Oberflächen und erleichtern so deren Interaktion mit Tumorzellen. Dadurch dringen die Peptid-Wirkstoff-Konjugate in resistente Zellen ein und wandern zum Zellkern, wo Doxorubicin mit der DNA interkaliert und so seine zytotoxische Wirkung auslöst.
Experimentelle Studien bestätigten, dass die chemische Struktur des zyklischen Peptids der Schlüssel zur Bildung stabiler Nanoröhren ist, was wiederum ihre Fähigkeit verbessert, in bösartige Zellen einzudringen. Das Werk, veröffentlicht in ACS Angewandte Materialien und Schnittstellenwurde am CiQUS durchgeführt, einem Forschungszentrum, das von der Xunta de Galicia als CIGUS anerkannt und von der Europäischen Union im Rahmen des Galicia FEDER-Programms 2021–2027 unterstützt wird.
Arzneimittelresistenzen bleiben eines der Haupthindernisse in der Krebstherapie. Viele Tumoren entwickeln Mechanismen zur aktiven Ausscheidung von Medikamenten, was die Wirksamkeit verfügbarer Behandlungen stark einschränkt. In diesem Zusammenhang fungieren zyklische Peptide als hocheffiziente Transportvehikel, die in der Lage sind, Doxorubicin in Zellen einzuführen, die es normalerweise abstoßen würden.
Durch die Kombination von Selektivität, effizientem Transport und kontrollierter Wirkstofffreisetzung ebnet diese Strategie den Weg für neue Kombinationschemotherapien, bei denen die peptidbasierte Nanotechnologie zu einem starken Verbündeten gegen Krebs werden könnte. Die Autoren hoffen, dass dieser Ansatz die Entwicklung neuer Therapiestrategien für schwer behandelbare Tumoren anregen wird.
Quellen:
Vilela-Picos, M., et al. (2025). Self-Assembling Cyclic Peptide Nanotubes for the Delivery of Doxorubicin into Drug-Resistant Cancer Cells. ACS Applied Materials & Interfaces. doi.org/10.1021/acsami.5c05264