Ein experimentelles Medikament könnte in Zukunft eine neue Form des Schutzes für Menschen mit Zöliakie bieten. Laut einer internationalen Studie der Universitäten Oulu und Tampere dämpft das Medikament die schädlichen Auswirkungen von Gluten nicht nur im Darm, sondern im gesamten Körper.

Das in der Studie untersuchte Medikament ZED1227 hemmt die Aktivität des körpereigenen Enzyms Transglutaminase 2 (TG2). Dieses Enzym verändert Gluten so, dass es bei Zöliakie eine Entzündungsreaktion auslöst. Durch die Blockierung der Enzymaktivität reduziert das Medikament die durch Gluten ausgelösten schädlichen Immunreaktionen.

Die neue Studie wurde in der Fachzeitschrift BMC Medicine veröffentlicht und baut auf früheren Erkenntnissen auf. In einer 2024 in Nature Immunology veröffentlichten Studie zeigte dieselbe Forschungsgruppe, dass ein TG2-Inhibitor die Dünndarmschleimhaut wirksam vor glutenbedingten Schäden schützt. Die neueste Arbeit untersucht erstmals die Auswirkungen auf der Ebene des gesamten Körpers.

An der Studie nahmen Erwachsene mit Zöliakie teil, die sich schon lange glutenfrei ernährten. Sie wurden sechs Wochen lang geringen Mengen Gluten ausgesetzt, entweder in Kombination mit dem Medikament oder mit einem Placebo.

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Blutproben wurden auf Lipidstoffwechsel, Proteine ​​und DNA-Methylierung analysiert. Diese wurden mit Gewebeproben aus dem Dünndarm verglichen. Die Ergebnisse zeigten, dass Gluten in der Placebogruppe deutliche Veränderungen im Lipidstoffwechsel verursachte, wohingegen die Veränderungen bei denjenigen, die das Medikament erhielten, fast vollständig unterdrückt wurden. Das experimentelle Medikament stellte auch die Blutprotein- und epigenetischen Profile wieder in den Zustand ein, der bei einer glutenfreien Diät beobachtet wurde.

Die Ergebnisse legen nahe, dass die TG2-Hemmung Auswirkungen über den Darm hinaus hat und die durch Gluten ausgelösten immunmetabolischen Reaktionen des gesamten Körpers dämpft. Dies stellt eine neue und wissenschaftlich bedeutsame Entdeckung dar.

Unsere im Jahr 2024 veröffentlichte Studie zeigte, dass das Medikament die Darmschleimhaut wirksam schützt. Wir zeigen nun, dass sich die Wirkung auf den gesamten Körper erstreckt.“

Keijo Viiri, korrespondierender Autor der Studie, außerordentlicher Professor, Universität Oulu

Den Forschern zufolge könnte das Medikament künftig die diätetische Behandlung ergänzen, insbesondere bei Patienten, die versehentlich Gluten ausgesetzt sind oder deren Symptome trotz glutenfreier Ernährung bestehen bleiben.

Die Forschungsgruppe um Viiri untersucht derzeit, wie entzündungsbedingte Epithelschäden durch eine medikamentöse Therapie bei Menschen mit Zöliakie verhindert oder repariert werden könnten. Ziel ist es, die Schutzwirkung der Behandlung insbesondere bei Hochrisikopatienten zu stärken.

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Gluten bei genetisch anfälligen Personen eine Entzündungsreaktion auslöst. Derzeit ist die einzige Behandlung eine lebenslange glutenfreie Diät, deren Einhaltung schwierig sein kann. In Finnland leiden rund 2,4 Prozent der Bevölkerung an Zöliakie, eine der höchsten Prävalenzraten weltweit.


Quellen:

Journal reference:

Dotsenko, V., et al. (2026). Therapeutic TG2 inhibition reverses systemic multiomic dysregulation in celiac disease. BMC Medicine. DOI: 10.1186/s12916-026-04892-y. https://link.springer.com/article/10.1186/s12916-026-04892-y