Antibiotika retten Leben, sind aber auch eine globale Gesundheitsgefahr. Die Wissenschaftlerin Noëlie Maurin von SINTEF hat eine Idee, die zur Lösung des Problems beitragen könnte: Antibiotikarückstände entfernen, bevor sie in den Abfluss gelangen.

Maurins Vorschlag war einer von drei Vorschlägen, die aus dem jährlichen Innovationswettbewerb der norwegischen Wasserindustrie, Thoughts from the Blue Sky, als Sieger hervorgingen. Jetzt stößt die Idee auf Interesse als mögliche kostengünstige Maßnahme zur Bekämpfung eines globalen Gesundheits- und Umweltproblems.

Unsichtbare Emissionen

Die meisten von uns denken nicht viel darüber nach, was mit Medikamenten passiert, nachdem wir sie eingenommen haben. Aber ihre Rückstände verschwinden nicht.

„Antibiotika sind mittlerweile in der Nahrungskette allgegenwärtig. Überexposition ist daher ein großes Problem“, sagt der SINTEF-Forscher.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Jedes Jahr landen schätzungsweise 8.500 Tonnen Antibiotika in den Flüssen der Welt. Das ist fast ein Drittel des gesamten menschlichen Antibiotikaverbrauchs. Diese Emissionen verursachen nicht nur Umweltverschmutzung, sondern tragen auch zur Entwicklung von Antibiotikaresistenzen bei, einer der größten Bedrohungen für die globale Gesundheit.

Antibiotika sind mittlerweile in der Nahrungskette allgegenwärtig. Überbelichtung ist daher ein großes Problem.

Auch unser Trinkwasser ist gefährdet. Sowohl im Leitungswasser als auch im Flaschenwasser wurden messbare Konzentrationen von Antibiotika gefunden.

Entfernen Sie Antibiotika bereits in der Toilettenschüssel

Versuche, Arzneimittelrückstände zu entfernen, finden üblicherweise in Kläranlagen statt. Doch bis das Abwasser dort ankommt, ist die Konzentration der Antibiotika im Wasser bereits deutlich reduziert.

Während einer zehntägigen Antibiotikakur scheidet eine Person etwa 30 Gramm Antibiotika aus, die letztendlich in den Abfluss gelangen, aber mit enormen Mengen Wasser ausgeschwemmt werden.

„Die Idee besteht stattdessen darin, diese Verschmutzung direkt an der Quelle zu behandeln, im Urin, wo die Konzentration hoch ist“, schreibt sie.

Deshalb verlagert sie ihren Fokus weg von den großen Kläranlagen hin zum Badezimmer.

Eine einfache Lösung

Die Lösung ist im Prinzip einfach. An der Toilette ist ein kleiner Behälter angebracht, der einen Filter mit Aktivkohle enthält. Es fängt Antibiotikarückstände auf, bevor sie weitergespült werden und stark verdünnt in der Kläranlage landen.

Aktivkohle ist im Zusammenhang mit der Wasserreinigung bekannt, da das Material organische Verbindungen, darunter auch Medikamentenrückstände, effektiv bindet. Durch die Reinigung von Wasser mit hoher Rückstandskonzentration wird das Problem der Verdünnung vermieden.

Eine solche Lösung an der Quelle würde den Verdünnungseffekt verringern und den Reinigungsgrad erhöhen.“

Noëlie Maurin bei SINTEF

Überall einsetzbar

Eine der Stärken von Maurins Idee besteht darin, dass keine großen Investitionen in die Infrastruktur erforderlich sind. In einigen Kläranlagen werden „vierte Reinigungsstufen“ diskutiert, um mikroskopisch kleine Verunreinigungen zu entfernen. Solche Lösungen sind jedoch teuer, technisch anspruchsvoll und erfordern Zeit in der Umsetzung.

Maurins Vorschlag könnte jedoch auch dort funktionieren, wo eine fortschrittliche Reinigung nicht verfügbar ist, beispielsweise in kleineren Städten und in Ländern mit begrenzten Ressourcen. Es könnte auch bestehende Systeme ergänzen.

Sie weist darauf hin, dass die Lösung die Auswirkungen von Antibiotika bei geringen Kosten deutlich reduzieren könnte und dass sie überall einsetzbar sei.

Sie hat auch darüber nachgedacht, wie das in der Praxis funktionieren könnte, und schlägt vor, dass die Finanzierung von Behörden oder der Pharmaindustrie kommen könnte.

Maurin schlägt vor, dass die Leute den Filter in der Apotheke abholen könnten, wenn sie ihr Antibiotika-Rezept abholen, und ihn nach Abschluss der Behandlung in der Apotheke zurückgeben könnten.

Dadurch rückt die Reinigung näher an die Quelle und die Verantwortung für die Handhabung ist direkter mit dem Verbrauch verknüpft.

Kleine Schritte, große Wirkung

Antibiotikaresistenzen werden oft als „stille Pandemie“ beschrieben. Bekannte Maßnahmen wie die Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes sind wichtig, aber nicht ausreichend. Auch die Emissionen müssen gemanagt werden.

Maurins Beitrag zeigt, dass Lösungen nicht kompliziert sein müssen, um effektiv zu sein. Manchmal können sie überraschend einfach sein. Und in diesem Fall kann eine Tasse Aktivkohle ein kleiner, aber wichtiger Schritt im Kampf gegen eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit sein.


Quellen: