Neue Hoffnung für Frauen mit frühzeitiger Eierstockinsuffizienz

Eine Pilotstudie des Karolinska Instituts zeigt, dass Immuntherapie die Eierstockreifung bei Frauen mit autoimmuner frühzeitiger Eierstockinsuffizienz (POI) stimulieren könnte – einem Zustand, der normalerweise zu Unfruchtbarkeit führt. Drei von zehn Frauen konnten nach der Behandlung gesunde Babys zur Welt bringen.

Was ist frühzeitige Eierstockinsuffizienz (POI)?

Etwas mehr als drei Prozent der Frauen weltweit sind von frühzeitiger Eierstockinsuffizienz betroffen. Dabei hören die Eierstöcke auf zu funktionieren, bevor die Frau 40 Jahre alt ist. Die Ursachen hierfür können unterschiedlich sein, wobei sowohl autoimmune Mechanismen als auch genetische Faktoren eine Rolle spielen. Diese Erkrankung führt zu einer erheblichen Verringerung der Fruchtbarkeit.

Ziel der Studie

Die Forscher untersuchten, ob Immuntherapie die Eierstöcke vorübergehend empfänglich für hormonelle Stimulation machen könnte. Dies galt insbesondere für Frauen mit durch Autoimmunität verursachter POI.

Studienverlauf

Die Studie umfasste zwölf Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren mit autoimmuner POI. Zwei Frauen zogen sich vor Beginn der Behandlung zurück. Alle anderen Teilnehmerinnen erhielten eine hormonelle Stimulation sowohl vor als auch vier bis sechs Monate nach der Behandlung mit dem Medikament Rituximab, welches für verschiedene autoimmune Erkrankungen und Krebserkrankungen zugelassen und gut etabliert ist.

Vor der Behandlung mit Rituximab zeigte keine der Frauen eine Reaktion auf die hormonelle Stimulation. Nach der Behandlung entwickelten jedoch sechs von zehn Frauen Follikel, die es ermöglichten, Eizellen zu entnehmen.

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„Die Ergebnisse zeigen, dass bei einigen Frauen ein Eivorrat vorhanden ist, der aktiviert werden kann, wenn der autoimmune Prozess unterdrückt wird.“

Angelica Lindén Hirschberg, erste Autorin der Studie, Professorin am Institut für Frauen- und Kindergesundheit des Karolinska Instituts

Ergebnisse der Studie

Bei fünf der Frauen konnten reife Eizellen eingefroren oder befruchtet werden. Bei drei von ihnen wurden später Embryonen transferiert, und alle drei Frauen brachten gesunde Babys zur Welt. Aus Sicherheitsgründen fand der Embryotransfer frühestens ein Jahr nach der Behandlung statt. Es wurde ein Fall mit schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet, der jedoch mit der hormonellen Stimulation und nicht mit der Immuntherapie in Verbindung gebracht wurde.

Autoimmunerkrankungen und vorsichtige Interpretation der Ergebnisse

Es ist häufig, dass Frauen mit autoimmuner POI auch andere autoimmune Erkrankungen haben. Alle Frauen, die auf die Behandlung ansprachen, litten an der autoimmunen Addison-Krankheit, einer Erkrankung, bei der das Immunsystem die Nebennieren angreift.

Die Studie ist eine sogenannte Machbarkeitsstudie ohne Kontrollgruppe und umfasste nur eine kleine Anzahl von Teilnehmerinnen, weshalb die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

„Dies ist ein erster Schritt. Um zu bestimmen, ob die Methode effektiv und sicher ist, sind größere, randomisierte Studien erforderlich“, sagt Angelica Lindén Hirschberg. Das Forschungsteam hat gerade eine solche Studie ins Leben gerufen.

Zusammenarbeit und Finanzierung

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit Forschern des Karolinska Instituts, des Karolinska Universitätskrankenhauses und der Universität Bergen durchgeführt. Die Forschung wurde unter anderem vom Schwedischen Forschungsrat, der Knut und Alice Wallenberg-Stiftung, der Novo Nordisk-Stiftung und der Region Stockholm finanziert.


Quellen:

Journal reference:

Hirschberg, A. L., et al. (2026). Immunotherapy for Fertility in Autoimmune Premature Ovarian Insufficiency. NEJM Evidence. DOI: 10.1056/EVIDoa2500303. https://evidence.nejm.org/doi/pdf/10.1056/EVIDoa2500303