Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass häufige Virusinfektionen das Demenzrisiko beeinflussen können, während Impfungen und antivirale Therapien einen überraschenden Weg zur Prävention bieten könnten.
Studie: Tragen Herpesviren zur Demenz bei? Erkenntnisse aus Infektion, antiviraler Behandlung und Impfung. Bildnachweis: Andrew Angelov/Shutterstock.com
*Wichtiger Hinweis: SSRN veröffentlicht vorläufige wissenschaftliche Berichte, die nicht von Experten begutachtet werden und daher nicht als schlüssig angesehen werden sollten, als Leitfaden für die klinische Praxis/gesundheitsbezogenes Verhalten dienen oder als etablierte Informationen behandelt werden sollten.
Eine aktuelle Studie wurde im veröffentlicht SSRN Der Preprint-Server (noch nicht peer-reviewed) führte eine Metaanalyse und eine systematische Überprüfung durch, um die Zusammenhänge zwischen Demenzrisiko, Infektion mit dem humanen Herpesvirus, Impfung und antiviraler Therapie zu bewerten.
Eine systematische Überprüfung und Metaanalyse
Um relevante Studien zum humanen Herpesvirus (HHV) mit Demenz als Folge zu identifizieren, führten Forscher bis Februar 2026 eine umfassende Suche nach englischsprachigen Artikeln im Cochrane Central Register of Controlled Trials, PubMed und Embase durch.
Gepoolte Random-Effects-Modelle schätzten die relativen Risiken (RRs) für Demenz im Zusammenhang mit einer HHV-Infektion, insbesondere dem Varicella-Zoster-Virus (VZV), dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 und 2 (HSV-1/2) und dem Cytomegalievirus (CMV). Die RRs berücksichtigten auch eine VZV-Impfung und eine antivirale Therapie.
Um aufgenommen zu werden, mussten die Artikel Fall-Kontroll-Studien, Kohortenstudien oder nicht randomisierte kontrollierte Studien präsentieren und eine klinisch validierte Demenzdiagnose enthalten. Die Studien mussten auch RRs, Odds Ratios (ORs), Hazard Ratios (HRs) oder Risikounterschiede (RDs) angeben. Nicht-humane Studien, Studien mit unvollständigen Daten oder ohne Originaldaten sowie Studien ohne Kontrollgruppe oder mit einer kleinen Stichprobengröße wurden ausgeschlossen. Unveröffentlichte Literatur wurde ebenfalls ausgeschlossen.
Bei der ersten Suche wurden 3.134 Artikel identifiziert, aber nur 45 Studien erfüllten die Einschlusskriterien für diese systematische Überprüfung und konzentrierten sich hauptsächlich auf Europa, Asien und Nordamerika.
Der Einfluss einer VZV-Infektion und einer antiviralen Behandlung auf den Beginn der Demenz
Eine Analyse von 18 Studien zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen einer VZV-Infektion und dem Ausbruch einer Demenz (RR=1,13). Es wurden keine Geschlechtsunterschiede beobachtet, aber ein signifikanter Zusammenhang wurde bei Personen ab 70 Jahren beobachtet (RR=2,76). Was die Demenz-Subtypen betrifft, so zeigte die Alzheimer-Krankheit (AD) einen nicht signifikanten Zusammenhang, während die vaskuläre Demenz einen bescheidenen und etwas heterogenen, aber statistisch signifikanten Zusammenhang aufwies.
Das Demenzrisiko war bei Fällen mit Augenbeteiligung deutlich höher (RR=2,09), während es bei Fällen mit Beteiligung des Zentralnervensystems (ohne Schlaganfall) leicht erhöht war (RR=1,96). Eine ethnische Untergruppenanalyse zeigte einen statistisch signifikanten Gesamteffekt, obwohl einzelne regionale Untergruppenanalysen (asiatische und westliche Bevölkerungsgruppen) nicht signifikant waren. Dies deutet darauf hin, dass die Ergebnisse möglicherweise eher begrenzte Daten als echte Unterschiede in der Bevölkerung widerspiegeln.
Bezüglich der Auswirkung einer antiviralen Behandlung auf das Risiko des Ausbruchs einer Demenz wiesen 13 Studien darauf hin, dass eine antivirale Behandlung mit einem verringerten Demenzrisiko verbunden war (gepoolter RR = 0,79). Die Verschreibungen umfassten hauptsächlich Famciclovir, Valaciclovir, Aciclovir, Tromantadin, Ganciclovir und Brivudin. AD zeigte eine grenzwertige, nicht signifikante Risikoerhöhung, während vaskuläre Demenz unbedeutend blieb.
Die Gesamtergebnisse deuteten auf eine Heterogenität zwischen den Demenz-Subtypen hin, wobei der beobachtete Effekt hauptsächlich auf Studien zurückzuführen war, die über nicht spezifizierte Demenz-Ergebnisse berichteten. Bezüglich spezifischer antiviraler Medikamente zeigte Brivudin keinen eindeutigen Nutzen, während Aciclovir und Valaciclovir das Demenzrisiko deutlich reduzierten.
Diese Ergebnisse basieren jedoch auf Beobachtungsdaten und können durch Störfaktoren wie Behandlungsauswahl und Verhalten bei der Suche nach medizinischer Versorgung beeinflusst werden.
Die Herpes-Zoster-Impfung (HZV) und die Entstehung einer Demenz
Die Wirkung der HZ-Impfung auf das Demenzrisiko wurde in 12 Studien untersucht. Zu den Impfstoffen gegen Gürtelrose gehörten Zostavax und Shingrix. Die Random-Effects-Modelle wurden geschätzt und die erhaltenen gepoolten RRs zeigten, dass HZV signifikant mit einem verringerten Demenzrisiko assoziiert war (RR=0,71).
Auch der rekombinante Zoster-Impfstoff (RZV) war mit einem geringeren Risiko verbunden und sein schmales Konfidenzintervall deutete auf statistische Präzision hin. Wie bei den oben dargestellten Ergebnissen zeigte die Untergruppe, die als nicht näher bezeichnete Erkrankungen eingestuft wurde, statistische Signifikanz.
Was die Demenz-Subtypen betrifft, blieb die schützende Assoziation für vaskuläre Demenz, AD und nicht näher bezeichnete Demenz bestehen. Mit zunehmender Impfstoffexposition wurden auch geringere Gefährdungsquoten festgestellt. Ein bemerkenswertes Ergebnis war, dass signifikante Risikominderungen sowohl mit der Einzelimpfung (RR=0,68) als auch mit der Kombinationsimpfung (RR=0,51) verbunden waren, wobei die letztere Gruppe den größten Effekt zeigte.
Einige der stärksten unterstützenden Beweise stammten aus quasi-experimentellen und natürlichen Versuchsplänen, die den kausalen Rückschluss im Vergleich zu Standard-Beobachtungsstudien stärken, obwohl die Kausalität nicht definitiv festgestellt werden kann.
HSV- und CMV-Infektion und Demenzrisiko
Insgesamt stellten 23 Studien fest, dass eine HSV-Infektion mit einem signifikant erhöhten Risiko für Demenz verbunden war, während 7 Studien einen insgesamt nicht signifikanten Trend zu einem erhöhten Risiko bei einer CMV-Infektion zeigten. Bei einer HSV-Infektion zeigte IgM+ eine stärkere Assoziation als IgG+, und die Ergebnisse für IgG+ waren unbedeutend. Der stärkste Zusammenhang wurde bei einer nicht näher bezeichneten HSV-Infektion mit AD beobachtet und nicht bei klar definierten HSV-Subtypen.
Insbesondere waren subtypspezifische Analysen für HSV-1 und HSV-2 statistisch nicht signifikant, wahrscheinlich aufgrund der begrenzten Stichprobengröße und Heterogenität. Eine CMV-Infektion war in Subgruppenanalysen signifikant mit AD assoziiert, obwohl insgesamt kein signifikanter Zusammenhang mit dem Demenzrisiko bestand.
Bei einer HSV-Infektion wurde eine ausgeprägte Dosis-Wirkungs-Beziehung für die antivirale Behandlung beobachtet, wobei eine deutliche Verringerung des Demenzrisikos zu beobachten war, wenn die Behandlung länger als einen Monat dauerte. Bei Krankenhauspatienten, die eine antivirale Therapie erhielten, wurden in allen Altersgruppen konsistente Schutzwirkungen festgestellt.
Bei einer CMV-Infektion wurde ein signifikanter Zusammenhang bei asiatischen Bevölkerungsgruppen beobachtet, nicht jedoch bei amerikanischen und europäischen Bevölkerungsgruppen.
Mögliche zugrunde liegende mechanistische Zusammenhänge
Studien deuten darauf hin, dass HSV-1 die amyloidogene Verarbeitung fördert, indem es die BACE1- und γ-Sekretase-Aktivität erhöht. Darüber hinaus verändert es auch den APP-Transport und erleichtert dadurch die Plaquebildung und die Aβ-Oligomerisierung. Parallel dazu werden durch eine Infektion mehrere Wirts- und Viruskinasen aktiviert, die mit der Bildung neurofibrillärer Knäuel und Hyperphosphorylierung verbunden sind.
Eine HSV-1-Infektion trägt zu oxidativem Stress und einer Funktionsstörung der Blut-Hirn-Schranke bei, indem sie entzündungsfördernde Zytokine freisetzt und Mikroglia und Astrozyten aktiviert.
Die Reaktivierung von VZV kann zur Entwicklung einer VZV-Vaskulopathie und einer Infektion der Hirnarterien führen, was zu einer ischämischen Schädigung und einer chronischen Minderdurchblutung des Gehirns führen kann. Eine VZV-Infektion von Gefäßzellen kann eine stärkere Expression von Amylin/IAPP und Aβ42 induzieren, was zu einer Gefäßschädigung und einer zerebralen Amyloidangiopathie (CAA)-ähnlichen Ablagerung beitragen kann.
Abschluss
Diese Studie zeigte, dass HHV-Infektionen mit einem höheren Demenzrisiko verbunden sind. Es wurde eine erhebliche Heterogenität zwischen Viren und Populationen festgestellt. Diese Heterogenität und die begrenzte Probengröße schränkten die virusspezifische Analyse ein, es wurde jedoch festgestellt, dass HSV-1 möglicherweise eine Rolle spielt.
Wichtig ist, dass die Varizella-Zoster-Impfung und die antivirale Therapie mit einem verringerten Demenzrisiko verbunden waren. Die Ergebnisse basieren jedoch auf Beobachtungsergebnissen und sollten nicht als Beweis einer Kausalität interpretiert werden, was die Notwendigkeit weiterer Längsschnitt- und Interventionsstudien unterstreicht.
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*Wichtiger Hinweis: SSRN veröffentlicht vorläufige wissenschaftliche Berichte, die nicht von Experten begutachtet werden und daher nicht als schlüssig angesehen werden sollten, als Leitfaden für die klinische Praxis/gesundheitsbezogenes Verhalten dienen oder als etablierte Informationen behandelt werden sollten.
Quellen:
- Preliminary scientific report.
Zhang, W. et al. (2026) Do Herpesviruses Contribute to Dementia? Insights from Infection, Antiviral Treatment, and Vaccination. Available at SSRN: https://ssrn.com/abstract=6504676 %