Ein Forschungsteam des Istituto Italiano di Tecnologia (IIT – Italienisches Technologieinstitut) hat in Zusammenarbeit mit dem IRCCS Istituto Giannina Gaslini in Genua (Italien) gezeigt, dass traumatische Erlebnisse in bestimmten Lebensphasen – insbesondere von der Kindheit bis zu den ersten Jahren nach der Pubertät – anhaltende Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung und das Erwachsenenverhalten haben. Es ist nicht so sehr die Art des Traumas, das den Unterschied macht, sondern vielmehr der Zeitpunkt, zu dem es erlebt wird, was sich in dysfunktionalen Verhaltensweisen wie Aggression, Depression, Angstzuständen und Aufmerksamkeitsdefiziten niederschlägt. Diese Entdeckung könnte den Weg für präzisere und personalisiertere Behandlungen bestimmter neuropsychiatrischer Erkrankungen ebnen.

Die Studie wurde von IIT-Forschern in Genua, Laura Cancedda, Leiterin der Forschungseinheit „Gehirnentwicklung und Krankheiten“, und Valter Tucci, Leiter der Abteilung „Genetik und Epigenetik des Verhaltens“, koordiniert. Die Zusammenarbeit mit dem Gaslini-Institut umfasste für Omics und klinische Analysen das Clinical Proteomics Laboratory and Core Facility for Omics Sciences unter der Leitung von Andrea Petretto und die Abteilung für Kinderneuropsychiatrie des Gaslini-Instituts unter der Leitung von Lino Nobili mit dem Beitrag von Sara Uccella, einer Spezialistin für Kinderneuropsychiatrie und Forscherin an der Universität Genua mit Sitz am Gaslini-Institut.

Die Arbeit wurde in der renommierten internationalen Fachzeitschrift veröffentlicht Zellberichte Medizin und wurde durch Mittel des Fondo Italiano per la Scienza (FIS Advanced) des italienischen Ministeriums für Universität und Forschung (MUR) unterstützt, die Cancedda im Jahr 2025 verliehen wurden.

Es ist bereits bekannt, dass traumatische Erfahrungen das Risiko für psychiatrische Störungen wie posttraumatische Belastungsstörungen (PTSD) erhöhen, es bleibt jedoch unklar, warum ähnliche Ereignisse bei verschiedenen Personen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen können. In dieser Studie zeigt das Forschungsteam, dass das Entwicklungsstadium, in dem ein Trauma auftritt – mehr als die Art des Traumas selbst – eine Schlüsselrolle bei der Bestimmung unterschiedlicher Verhaltensergebnisse spielt.

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Durch die Untersuchung von Mausmodellen und die Kombination der Ergebnisse mit Analysen einer Patientenkohorte zeigten die Forscher, dass der Zusammenhang zwischen Trauma und Verhalten mit verschiedenen Stadien der Gehirnentwicklung in Verbindung gebracht werden kann: frühe Kindheit, Kindheit, Jugend und junges Erwachsenenalter. Beispielsweise führt ein in der Kindheit erlebtes Trauma zu Schwierigkeiten bei der sozialen Interaktion, während ein Trauma in der Adoleszenz aggressives und dominantes Verhalten hervorruft. In allen Fällen wurden angstbedingte Symptome beobachtet.

Mithilfe von Omics- und Proteomanalysen fanden die Forscher heraus, dass die Auswirkungen von Traumata dauerhaft im Gehirn aufgezeichnet werden und die Funktion bestimmter Regionen verändern. Wenn ein Trauma auftritt, werden im Gehirn biologische Prozesse aktiviert, die dessen Struktur und Funktion umgestalten, einschließlich programmiertem Zelltod, oxidativem Stress und der Biogenese von Vesikeln aus Zellmembranen. Ein Trauma im frühen Leben betrifft hauptsächlich die Amygdala, den Hippocampus und den Hypothalamus, während ein späteres Trauma hauptsächlich den präfrontalen Kortex betrifft.

Darüber hinaus ermöglichten diese Studien dem Forschungsteam, ein potenzielles therapeutisches Ziel zu identifizieren: den BDNF-Signalweg (Brain-Derived Neurotrophic Factor), einen Schlüsselregulator der Gehirnplastizität. Durch die Modulation dieses Signalwegs kann es möglich sein, die Auswirkungen eines Traumas zu mildern, wenn es im jungen Erwachsenenalter auftritt.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass es kritische Entwicklungsfenster gibt, in denen das Gehirn besonders anfällig für Traumata ist, aber möglicherweise auch besser auf gezielte therapeutische Interventionen reagiert. Die Hoffnung besteht darin, dass diese Entdeckungen zu präziseren Behandlungen für psychiatrische Störungen aufgrund traumatischer Ereignisse führen und einen personalisierten medizinischen Ansatz einführen können, der auf dem Alter basiert, in dem das Trauma aufgetreten ist.


Quellen:

Journal reference:

Morelli, G., et al. (2026). Traumatic life experiences during critical periods lead to diverse developmental trajectories. Cell Reports Medicine. DOI: 10.1016/j.xcrm.2026.102798. https://www.cell.com/cell-reports-medicine/fulltext/S2666-3791(26)00215-6