Mikroplastik (MP) ist Gegenstand intensiver medizinischer Forschung, über ihre Auswirkungen auf das Immunsystem ist jedoch noch wenig bekannt. Eine von der Medizinischen Universität Wien durchgeführte Studie zeigt nun, dass winzige Partikel aus Polyethylenterephthalat (PET) in der Lunge von Mäusen verbleiben, Atemwegsentzündungen verschlimmern und die mit Allergien verbundenen Immunreaktionen verändern können. Die Ergebnisse wurden im „Journal of Hazardous Materials Advances“ veröffentlicht und verdeutlichen einmal mehr die gesundheitlichen Auswirkungen der zunehmenden Umweltbelastung durch Mikroplastik.
Im Rahmen der Studie untersuchte das Forschungsteam um Michelle Epstein (Universitätsklinik für Dermatologie, Experimentelles Allergielabor, MedUni Wien) die Wirkung von PET-Partikeln unterschiedlicher Größe und Dosierungsform in einem Mausmodell. PET (Polyethylenterephthalat) ist einer der weltweit am häufigsten verwendeten Kunststoffe und wird unter anderem in Verpackungen, Getränkeflaschen, Textilien und medizinischen Materialien verwendet.
Nach einer einmaligen Verabreichung von mittelgroßem PET-Mikroplastik über die Atemwege stellten die Forscher fest, dass die Partikel mindestens 14 Tage lang in der Lunge nachweisbar blieben. Während dieser Zeit trat eine Entzündungsreaktion auf, die durch eine erhöhte Migration von Lymphozyten und Eosinophilen gekennzeichnet war – Immunzellen, die typischerweise an allergischen Reaktionen beteiligt sind. Wenn die Verabreichung von PET-MPs mit Ambrosiapollen, einem häufigen Atemwegsallergen, kombiniert wurde, verschlimmerte sich die Entzündung der Atemwege unter bestimmten Bedingungen. In weiteren Experimenten, bei denen PET-MPs in Kombination mit anderen Allergenen über die Bauchhöhle eingebracht wurden, konnte eine veränderte systemische Immunantwort beobachtet werden: Die PET-MPs verstärkten die Entzündung und beeinflussten die Antikörperantwort gegen das Allergen.
Aktiver Einfluss auf Immunantworten
Unsere Studie zeigt, dass PET-Mikroplastik nicht einfach im Körper verbleibt, sondern aktiv die Immunreaktionen beeinflusst, die an der Entstehung und Verschlimmerung von allergischen Reaktionen und Entzündungen beteiligt sind.“
Michelle Epstein, Studienleiterin
Die Forscher betonen jedoch, dass die Ergebnisse in Mausmodellen gewonnen wurden und nicht direkt auf reale Expositionsbedingungen beim Menschen übertragen werden können. „Dennoch liefern sie wichtige Erkenntnisse über mögliche immunologische Wirkungen von Mikroplastik, die die gesundheitliche Relevanz dieser Umweltbelastung noch einmal verdeutlichen und in weiteren Studien untersucht werden müssen“, sagt Epstein.
Quellen:
Kazemi, S., et al. (2026). Respirable polyethylene terephthalate microplastics modulate airway inflammation and immune responses in murine allergen co-exposure models. Journal of Hazardous Materials Advances. DOI: 10.1016/j.hazadv.2026.101223. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2772416626002226?via%3Dihub