Die Immuntherapie hilft Krebspatienten, den Übergang zu einer kurativen Lebertransplantation zu ermöglichen
Die Lebertransplantation ist nach wie vor eine der wirksamsten Heilungsmöglichkeiten für das hepatozelluläre Karzinom (HCC), da dabei sowohl der Tumor als auch die erkrankte Leber entfernt werden. Dennoch werden viele Patienten ausgeschlossen, weil ihre Tumoren die Milan-Kriterien (MC) überschreiten, während bei anderen aufgrund von Organmangel lange Wartezeiten eintreten. Die lokoregionäre Behandlung (LRT), einschließlich transarterieller Chemoembolisation (TACE), Radioembolisation und Ablation, hat das Downstaging und Bridging verbessert, die Reaktionen variieren jedoch. Inzwischen haben Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICIs) die Behandlungslandschaft für fortgeschrittenes HCC verändert und die Möglichkeit erhöht, dass die Immuntherapie früher in den Transplantationspfad verlagert werden könnte. Aufgrund dieser Herausforderungen sind eingehende Untersuchungen erforderlich, um zu definieren, wie die Immuntherapie den Transplantatzugang erweitern kann, ohne die Transplantatsicherheit zu beeinträchtigen.
Forscher des Liver Transplant and Hepatobiliary Surgery Program, Recanati/Miller Transplantation Institute, Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York, USA, überprüften aktuelle Erkenntnisse zur neoadjuvanten und adjuvanten Immuntherapie bei HCC bei Lebertransplantationen (LT). Der Übersichtsartikel wurde am 19. Oktober 2025 online veröffentlicht (DOI: 10.1016/j.hbpd.2025.10.004). Hepatobiliäre und Pankreaserkrankungen International. Der Artikel fasst klinische Studien, Kohortenstudien, Metaanalysen und Fallserien zusammen, die bis August 2025 veröffentlicht wurden, und konzentriert sich dabei auf therapeutisches Potenzial, Abstoßungsrisiko, Auswaschzeitpunkt und laufende klinische Studien.
Die Überprüfung zeigt, dass die neoadjuvante ICI-Therapie – verabreicht vor der Transplantation – bei ausgewählten Kandidaten zu ermutigenden Ergebnissen geführt hat. In Frühphasenstudien und multizentrischen Kohorten erreichten ICIs vor der LT ein Downstaging bei etwa 75–82 % der Patienten, mit radiologischen Reaktionen von bis zu 94 % und pathologischen Reaktionen von 35 % bis 88 %. Die ein- und dreijährige Überlebensrate nach der ICI-Überbrückung erreichte etwa 95 % bzw. 70 %–80 %, während die Überlebensrate nach LT nach drei Jahren bei über 85 % blieb. Das Sicherheitssignal ist jedoch ebenso wichtig. In 16–28 % der großen Serien kam es zu einer Abstoßung, und eine Metaanalyse der individuellen Patientendaten ergab eine Abstoßungsrate von 26,4 %. Die Überprüfung identifiziert die Auswaschdauer – das Intervall zwischen der letzten ICI-Dosis und der Transplantation – als einen entscheidenden Risikofaktor, wobei kürzere Intervalle, insbesondere unter 30–90 Tagen, mit höheren Abstoßungsraten verbunden sind. Die Belege für den adjuvanten ICI-Einsatz nach LT sind nach wie vor deutlich schwächer und beschränken sich weitgehend auf Fallberichte.
Die Autoren sagten, dass sich das Fachgebiet von der Frage, ob eine Immuntherapie vor einer Transplantation wirken kann, hin zur Definition bewegt, wie sie sicher angewendet werden kann. Sie sagten, ICIs könnten eine wertvolle Brücke für Patienten sein, deren Tumoren gut ansprechen und die vor der Operation eine angemessene Auswaschphase einhalten können. Gleichzeitig betonten sie, dass dieser Ansatz nicht als Routineversorgung betrachtet werden dürfe. Die sicherste Strategie, sagten sie, erfordere erfahrene Transplantationszentren, multidisziplinäre Entscheidungsfindung, eine genaue Überwachung der Alpha-Fetoprotein (AFP)-Trends und der Bildgebungsreaktion sowie eine sorgfältige Anpassung der Immunsuppression im Zusammenhang mit der Transplantation.
Die Auswirkungen sind sowohl für die Krebskontrolle als auch für den Transplantatzugang von Bedeutung. Wenn die neoadjuvante Immuntherapie in prospektiven randomisierten Studien validiert wird, könnte sie dazu beitragen, dass mehr Patienten mit HCC eine kurative LT erreichen und die Zahl der Abbrecher auf der Warteliste verringert wird. Die Immuntherapie nach einer Transplantation bleibt unsicherer: Der adjuvante ICI-Einsatz zeigte in etwa 25 % der gemeldeten Fälle eine Abstoßung und eine Mortalität von etwa 10–12 %. Alternative immunbasierte Ansätze, einschließlich der Therapie mit natürlichen Killerzellen (NK) und Zytokin-induzierten Killerzellen (CIK), bieten möglicherweise sicherere Möglichkeiten, das Wiederauftreten zu reduzieren und gleichzeitig die Transplantattoleranz zu bewahren. Derzeit unterstützt die Überprüfung ein vorsichtiges, individualisiertes Modell, bei dem eine Immuntherapie nur dann eingesetzt wird, wenn der onkologische Nutzen und das immunologische Risiko sorgfältig abgewogen werden können.
Quellen:
Khalaf, M. H., et al. (2025). Hepatocellular carcinoma and liver transplant: What about neo- and adjuvant immunotherapy. Hepatobiliary & Pancreatic Diseases International. DOI: 10.1016/j.hbpd.2025.10.004. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1499387225001730?via%3Dihub