Das Schlucken ist ein komplexer Vorgang, der eine präzise Koordination von Mund, Rachen und Kehlkopf erfordert. Nach einem Schlaganfall kann eine Schädigung des motorischen Kortex des Gehirns die schluckbezogenen neuronalen Befehle stören, sodass Patienten nicht in der Lage sind, Nahrung oder Flüssigkeit sicher aus dem Hals zu spülen. „Lianquan“ (CV23) befindet sich auf der vorderen Mittellinie des Halses, oberhalb des Zungenbeins, in einer Region, die eng mit der Zungenbewegung und dem Schlucken zusammenhängt. Akupunktur am „Lianquan“ (CV23) wird in der klinischen Praxis seit langem zur Behandlung von PSD eingesetzt. Es bleibt jedoch unklar, wie Signale aus dieser Region das Gehirn erreichen und dabei helfen, die schluckbezogene Bewegung wiederherzustellen. Frühere Studien deuteten darauf hin, dass der primäre motorische Kortex und die Schluckzentren des Hirnstamms beteiligt sind, ein wichtiger Downstream-Motorausgangsweg, der diesen Effekten zugrunde liegt, wurde jedoch nicht direkt bestätigt. Diese Lücke motivierte das Forschungsteam, die Rolle des Hypoglossuskerns (12N) bei den Auswirkungen der Elektroakupunktur auf das Schlucken zu untersuchen.

Forscher der Guangzhou University of Chinese Medicine haben nun einen wichtigen motorischen Knoten im Hirnstamm identifiziert, der erklärt, wie Elektroakupunktur bei „Lianquan“ (CV23) die Schluckfunktion nach einem Schlaganfall verbessert. Veröffentlicht (DOI: 10.13702/j.1000-0607.20250444) in einer aktuellen Ausgabe von Akupunkturforschung (veröffentlicht am 25. August 2025) verwendete die Studie Virusverfolgung, chemogenetische Hemmung und Laryngoskopie in einem PSD-Mausmodell, um zu zeigen, dass der Hypoglossuskern (12N) sowohl strukturell mit dem Akupunkturpunkt verbunden als auch funktionell wichtig für die Wirkung der Behandlung ist. Das Team verfolgte außerdem stromaufwärts gelegene Gehirnregionen, die bis 12N projizierten, und lieferte so einen umfassenderen Einblick in die Verbindung zentraler Schlucknetzwerke mit der motorischen Leistung.

Das Team zeigte, dass der Hypoglossuskern (12N) direkte, monosynaptische Projektionen an Gewebe um „Lianquan“ (CV23) sendet, was strukturelle Beweise für eine neuronale Verbindung zwischen diesem Akupunkturpunkt und einem motorischen Zentrum des Hirnstamms liefert. Bei Mäusen mit schlaganfallbedingten Schluckdefiziten verbesserte eine einzelne 15-minütige Elektroakupunktursitzung (2 Hz, 1 mA) bei „Lianquan“ (CV23) die Bewegungszyklen der Stimmbänder und erhöhte die elektrische Muskelaktivität im Zusammenhang mit dem Schlucken, gemessen durch Laryngoskopie und Elektromyographie (EMG). Als Forscher bei gesunden Mäusen ein chemogenetisches Virus verwendeten, um den Hypoglossuskern (12N) zum Schweigen zu bringen, sank die Aktivität der Schluckmuskulatur erheblich – was darauf hindeutet, dass dieser Kern normalerweise das Schlucken unterstützt. Noch wichtiger ist, dass bei Schlaganfallmäusen die Stummschaltung des Hypoglossuskerns (12N) die Vorteile der Elektroakupunktur deutlich schwächte: Die Bewegung der Stimmbänder verlangsamte sich und die Muskelaktivität kehrte auf ein beeinträchtigtes Niveau zurück.

Schließlich identifizierte das Team durch die Verfolgung der stromaufwärts gelegenen Eingänge zum Hypoglossuskern (12N) mithilfe eines retrograden transmonosynaptischen Virus mehrere Gehirnregionen, von denen bekannt ist, dass sie das Schlucken kontrollieren, darunter den Nucleus tractus solitarii (NTS), den intermediären retikulären Kern (IRt), den spinalen Trigeminuskern caudalis (SP5C) und den lateralen paragigantozellulären Kern (LPGi). Unter diesen ist das NTS eine Kernkomponente des zentralen Schluckmustergenerators des Hirnstamms. Insgesamt positionieren die Ergebnisse den Hypoglossuskern (12N) als kritisches „Ausgangstor“, durch das Elektroakupunktur bei „Lianquan“ (CV23) schluckbedingte Defizite bei PSD verbessert.

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„Die Ergebnisse zeigten eine direkte strukturelle Verbindung zwischen einem motorischen Kern des Hirnstamms und dem Akupunkturpunkt“, sagten die Autoren. „Dies weist darauf hin, dass ‚Lianquan‘ (CV23) nicht nur ein lokaler Muskelpunkt ist – es ist anatomisch mit den motorischen Schaltkreisen des Hirnstamms verbunden, die am Schlucken beteiligt sind. Als wir den Hypoglossuskern (12N) chemisch inhibierten, wurde die Akupunkturwirkung deutlich reduziert. Das bedeutet, dass 12N ein kritischer Ausgangsknoten ist. Unsere nächste große Frage ist: Wie gelangt das Nadelsignal überhaupt zurück zum Gehirn?“

Diese Studie liefert eine mechanistische Grundlage für den Einsatz von Elektroakupunktur bei „Lianquan“ (CV23) in der Rehabilitation nach Schlaganfall-Dysphagie (PSD). Über die Akupunktur hinaus heben die Ergebnisse den Hypoglossuskern (12N) als potenzielles Ziel für eine zukünftige Schluckrehabilitation hervor. Die Stimulation des Nervus hypoglossus wird klinisch bereits bei obstruktiver Schlafapnoe eingesetzt, bei Schluckstörungen ist sie jedoch noch nicht etabliert. Zusammengenommen weisen diese Ergebnisse auf neue Richtungen für die künftige Schluckrehabilitation hin, einschließlich der auf dem Nervus hypoglossus basierenden Neuromodulation und der weiteren Untersuchung der vorgelagerten Hirnstammeingänge von 12N – wie dem Nucleus tractus solitarii (NTS) und dem intermediären retikulären Nucleus (IRt). Vorerst untermauert die Arbeit die Argumente für die Integration der Elektroakupunktur in die Frühversorgung nach einem Schlaganfall, und zwar nicht als allgemeine Reflexbehandlung, sondern als präzise gezielte neuronale Intervention.


Quellen: