Partner von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben mehr gesundheitsbezogene Risikofaktoren und Morbidität als Partner von Frauen ohne Schwangerschaftsdiabetes.
Eine von der Universität Oulu durchgeführte Studie ergab, dass Partnerinnen von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes im Vergleich zur Kontrollgruppe häufiger chronische Krankheiten oder Verletzungen hatten, die das tägliche Leben erschweren. Darüber hinaus traten bei ihnen häufiger psychische Störungen auf.
Auch im Lebensstil und bei sozioökonomischen Faktoren wurden Unterschiede beobachtet: Die Partnerinnen von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes waren im Durchschnitt etwas älter, hatten einen höheren Body-Mass-Index, einen niedrigeren Bildungsstand und häufigeren Alkoholkonsum als die der Kontrollgruppe.
Die Studie basiert auf der umfangreichen finnischen FinnGeDi-Studie (Finnish Gestational Diabetes Study) und untersuchte Familien von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes. Die Daten wurden zwischen 2009 und 2012 in sieben Entbindungskliniken in ganz Finnland erhoben. An der Studie nahmen insgesamt 1.185 Partner teil, davon gehörten 599 zur Schwangerschaftsdiabetes-Gruppe und 586 zur Kontrollgruppe.
Die Ergebnisse basieren auf einem von den Partnern ausgefüllten Fragebogen, der unter anderem Lebensstil, Gesundheitszustand, sozioökonomische Faktoren und erbliche Krankheitsrisiken bewertete. Die Gruppen wurden mit statistischen Methoden verglichen.
Lebensstilinterventionen für die ganze Familie
Frühere internationale Studien deuten darauf hin, dass Partnerinnen von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ein erhöhtes Risiko haben, beispielsweise an Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken. Die neue Studie bestärkt die Ansicht, dass das Risiko nicht nur auf die werdende Mutter beschränkt ist.
Den Forschern zufolge könnte die Lebensstilberatung für Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes sinnvoll auch auf ihre Partner und die ganze Familie ausgeweitet werden.
Gemeinsame familiäre Lebensstile und Hintergrundfaktoren können einen Teil des Risikos erklären, weshalb vorbeugende Maßnahmen auf die gesamte Familie und nicht nur auf die Mutter abzielen sollten.“
Tea Taskila, Doktorandin
Die Forschungsgruppe wird das Thema mit einer registerbasierten Folgestudie zur Langzeitmorbidität von Partnern weiter untersuchen.
Schwangerschaftsdiabetes ist eine Störung des Glukosestoffwechsels, die während der Schwangerschaft diagnostiziert wird. Seine Prävalenz hat mit der Ausweitung der Diagnostik zugenommen, nachdem Finnland 2008 zum Screening fast aller schwangeren Frauen übergegangen ist. Studien zufolge betrifft Schwangerschaftsdiabetes schätzungsweise etwa 10 bis 30 Prozent der Schwangerschaften, und es wurde festgestellt, dass er auch international zunimmt.
Quellen:
Taskila, T., et al. (2026). Gestational diabetes and spousal health: the Finnish gestational diabetes study. European Journal of Public Health. DOI: 10.1093/eurpub/ckag057. https://academic.oup.com/eurpub/article/36/2/ckag057/8625825