Gemeinsame Medikamente, die zur Behandlung von Anämie eingesetzt werden, könnten auch das Wachstum von Krebszellen verlangsamen, wie neue Forschungen aus Finnland zeigen. Forscher der Universität Oulu und der Universität Ostfinnland entdeckten, dass diese Medikamente den Zellstoffwechsel und das Wachstum auf bisher unbekannte Weise beeinflussen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Medikamente Krebspatienten helfen könnten, die oft an Anämie leiden, und möglicherweise zwei Probleme gleichzeitig behandeln.

Die Medikamente, bekannt als HIF-PHIs, werden derzeit eingesetzt, um Patienten mit chronischer Nierenerkrankung zu helfen, mehr rote Blutkörperchen zu produzieren. Sie wirken, indem sie Proteine stabilisieren, die den Zellen helfen, auf niedrige Sauerstofflevel zu reagieren. Das Forschungsteam unter der Leitung von Professor Thomas Kietzmann von der Hypoxie- und Extrazellulären-Matrix-Forschungseinheit der Universität Oulu fand jedoch heraus, dass die Medikamente auch das Zellwachstum und die Bildung von Blutgefäßen beeinflussen, selbst wenn diese speziellen Sauerstoff-sensierenden Proteine nicht vorhanden sind.

„Das war überraschend. Wir hatten erwartet, dass die Medikamente nur über den üblichen Sauerstoffweg wirken. Stattdessen sahen wir, dass sie das Wachstum von Zellen stoppen und die Bildung neuer Blutgefäße selbst verhindern konnten. Das verändert unser Verständnis davon, was diese Medikamente im Körper tun.“

Professor Thomas Kietzmann, Hypoxie- und Extrazellulären-Matrix-Forschungseinheit, Universität Oulu

Neue Hoffnung für Krebspatienten

Die Ergebnisse eröffnen neue Möglichkeiten zur Krebsbehandlung. Viele Krebspatienten leiden unter Anämie, die entweder durch den Tumor oder durch die Chemotherapie verursacht wird. Derzeit sind die Behandlung der Anämie und der Kampf gegen den Tumor getrennte Ziele. Diese Studie legt nahe, dass diese zugelassenen Medikamente potenziell bei beiden helfen könnten.

„Da diese Medikamente das Tumorwachstum hemmen und gleichzeitig die Anämie behandeln könnten, könnte eine Kombination mit klassischer Chemotherapie die Gesamtergebnisse verbessern“, erklärt Kietzmann. „Das ist eine bedeutende Gelegenheit, um Patienten zu helfen, die gleichzeitig mit beiden Erkrankungen zu kämpfen haben.“

Aufruf zur klinischen Zusammenarbeit

Das Forschungsteam sucht nun klinische Partner, um diese Ergebnisse an Patienten zu testen. Die Forscher betonen, dass die Laborergebnisse vielversprechend sind, jedoch in einer klinischen Umgebung validiert werden müssen.

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„Wir haben die mechanistischen Daten, aber jetzt brauchen wir die klinische Expertise, um voranzukommen“, sagt Kietzmann. „Wir ermutigen Onkologen und Kliniker, die sich für Tumoranämie interessieren, mit uns zusammenzuarbeiten. Die Initiierung klinischer Studien könnte einen doppelten Vorteil für die Patienten offenbaren. Genau das ist die Art von Teamarbeit, die die Patientenversorgung verändern kann.“

Die Studie wurde in der renommierten Zeitschrift Redox Biology veröffentlicht. Die finanziellen Mittel für die Forschung wurden vom Forschungsrat von Finnland (SA356920), der Jane und Aatos Erkko Stiftung (210031) sowie der Förderentscheidung PROFI6 336449 „Fibrobesity“ des Forschungsrats von Finnland bereitgestellt.


Quellen:

Journal reference:

Mennerich, D., et al. (2026). Clinically approved HIF-PHIs modulate redox metabolism, cell growth, and angiogenesis independent of HIF-1α/HIF-2α. Redox Biology. DOI: 10.1016/j.redox.2026.104206https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2213231726002041?via%3Dihub