Finerenon verlangsamt den Rückgang der Nierenfunktion bei Nicht-Diabetikern
Das Medikament Finerenon verlangsamt den Rückgang der Nierenfunktion bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD), die nicht an Diabetes leiden, deutlich.
Dies zeigt eine internationale Studie unter der Leitung des klinischen Pharmakologen Hiddo Lambers Heerspink vom Universitätsklinikum Groningen. Dies deutet darauf hin, dass das Medikament erstmals auch bei einer großen Gruppe von Nierenpatienten wirksam ist, für die bisher weniger Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung standen. Die Studienergebnisse wurden heute im veröffentlicht New England Journal of Medicine.
Im Rahmen der sogenannten FIND-CKD-Studie wurden 1.584 Erwachsene mit chronischer Nierenerkrankung durchschnittlich etwas mehr als drei Jahre lang beobachtet. Alle Teilnehmer hatten eine verminderte Nierenfunktion und eine erhöhte Proteinausscheidung im Urin, ein Hauptrisikofaktor für weitere Nierenschäden. Die Hälfte erhielt täglich Finerenon, während die andere Hälfte zusätzlich zur Standardbehandlung mit ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptor-Blockern ein Placebo erhielt.
Die Nierenfunktion lässt weniger nach
Der primäre Endpunkt war die Veränderung der Nierenfunktion während der 2,5-jährigen Nachbeobachtungszeit. Die Nierenfunktion wird anhand der Geschwindigkeit gemessen, mit der die Nieren Blut filtern, dem sogenannten eGFR-Wert. Bei Patienten, die Finerenon einnahmen, war der Rückgang der eGFR statistisch signifikant geringer als in der Placebogruppe. Laut Lambers Heerspink ist der Unterschied auch klinisch relevant.
Geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Darüber hinaus wurde festgestellt, dass Finerenon das Risiko schwerer Nierenprobleme, einer Krankenhauseinweisung wegen Herzinsuffizienz oder des Todes aufgrund einer Herz-Kreislauf-Erkrankung verringert. Lambers Heerspink: „In der Finerenon-Gruppe erlitten 13,9 Prozent eine solche Komplikation, im Vergleich zu 16,9 Prozent in der Placebo-Gruppe. Das entspricht einer Risikoreduktion von etwa 23 Prozent.“
Weniger Protein im Urin
Auch die Proteinmenge im Urin nahm bei Finerenon-Anwendern nach sechs Monaten ab. Lambers Heerspink: „Das Vorhandensein von Protein im Urin ist oft ein wichtiges und frühes Anzeichen einer Nierenschädigung. In der Finerenon-Gruppe sank es um durchschnittlich über 41 Prozent, verglichen mit etwa 9 Prozent in der Placebo-Gruppe. Mehr als die Hälfte der Patienten, die Finerenon erhielten, erreichten eine Reduzierung der Proteinmenge im Urin um mindestens 30 Prozent. Eine solche Reduzierung ist ein wichtiger Indikator für eine günstigere Nierenprognose.“
Wirksam bei Nierenpatienten ohne Diabetes
Laut Lambers Heerspink sind die Ergebnisse frappierend, da sich bisherige große Studien mit Finerenon vor allem auf Patienten mit Typ-2-Diabetes konzentrierten. „Jetzt stellt sich heraus, dass das Medikament auch bei Menschen ohne Diabetes wirksam ist, obwohl mehr als die Hälfte aller CNE-Patienten weltweit Nicht-Diabetiker sind.“ Weltweit sind mittlerweile schätzungsweise 800 Millionen Erwachsene von einer chronischen Nierenerkrankung betroffen.
Neue Behandlungsmöglichkeit
Das Medikament erwies sich auch als sicher in der Anwendung. Lambers Heerspink: „Finerenon könnte eine wichtige neue Behandlungsoption für Menschen mit chronischer Nierenerkrankung werden, die nicht an Diabetes leiden. Das Medikament bietet eine deutliche Verzögerung des Rückgangs der Nierenfunktion im Vergleich zur aktuellen Standardversorgung. Die Ergebnisse bieten Ärzten neue Therapiemöglichkeiten, um die Nierenfunktion zu erhalten und die Anzahl kardiovaskulärer und renaler Komplikationen zu reduzieren. Und das gilt für eine breite, unterversorgte Patientengruppe mit nicht-diabetischer CKD, für die es in den Leitlinien nur wenige Behandlungsmöglichkeiten gibt.“
Quellen:
Heerspink, H. J. L., et al. (2026). Finerenone in Persons with Chronic Kidney Disease without Diabetes. New England Journal of Medicine. DOI: 10.1056/NEJMoa2604625. https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa2604625