Wichtige Erkenntnisse über das Risiko von Krebs nach Gewichtsreduktion
Ein erheblicher und nachhaltiger Gewichtsverlust ist mit einem verringerten Risiko für Krebs und krebsbedingte Todesfälle, vor allem bei Frauen, verbunden. Zwei neue Studien geben nun Hinweise darauf, warum dieses Risiko reduziert ist, und legen nahe, dass Geschlecht, Stoffwechsel und genetische Veranlagung eine entscheidende Rolle spielen können.
Die Studien basieren auf der langjährigen schwedischen Studie über fettleibige Personen (SOS-Studie), die die Auswirkungen von Adipositas-Chirurgie untersucht. An der Studie nahmen mehr als 4.000 fettleibige Personen teil, von denen die Hälfte eine bariatrische Chirurgie durchlief. Die weltweit einzigartige SOS-Studie wird von der Universität Göteborg geleitet und koordiniert.
Wichtige Studienergebnisse
In einer der aktuellen Studien, die in PLOS Medicine veröffentlicht wurde, wurden alle Teilnehmer der SOS-Studie analysiert, mit Fokus auf Geschlechtsunterschiede, Insulinspiegel und langfristige Krebsoutcomes. Die Forscher fanden heraus, dass Gewichtsverlust nach der Operation mit einem niedrigeren Krebsrisiko und einer geringeren krebsbedingten Sterblichkeit bei Frauen, jedoch nicht bei Männern, verbunden war.
Der Zusammenhang war besonders deutlich bei frauenspezifischen Krebserkrankungen, wie Brust- und gynäkologischen Krebsarten, und am klarsten bei Frauen mit hohen Insulinwerten bereits vor der Operation. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Insulin ein Schlüsselfaktor in der Verbindung zwischen Adipositas, Gewichtsverlust und Krebs sein könnte.
Die Rolle des genetischen Hintergrunds
In einer ergänzenden Studie in Scientific Reports gingen die Forscher einen Schritt weiter und untersuchten, ob der genetische Hintergrund den Rückgang des Brustkrebsrisikos nach Gewichtsverlust durch bariatrische Chirurgie beeinflussen kann. Die Studie umfasste fettleibige Frauen, die bis zu 33 Jahre lang beobachtet wurden.
Es wurde festgestellt, dass Frauen, die eine häufige genetische Variante im FTO-Gen trugen – ein Gen, das zuvor sowohl mit einem hohen Body-Mass-Index (BMI) als auch mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko in Verbindung gebracht wurde – die stärkste Assoziation zwischen der Operation und einem niedrigeren Brustkrebsrisiko aufwiesen. Bei diesen Frauen war das Risiko von Brustkrebs nach einer bariatrischen Operation etwa 47 Prozent geringer im Vergleich zur Standardbehandlung von Adipositas. Bei Frauen, die diese genetische Variante nicht hatten, zeigte sich keine deutliche Risikominderung.
Der Zusammenhang war noch stärker bei Frauen, die sowohl das FTO-Gen besaßen als auch zu Studienbeginn hohe Insulinwerte hatten; in dieser Gruppe war das Brustkrebsrisiko nach bariatrischer Chirurgie etwa 64 Prozent geringer. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass der genetische Hintergrund beeinflussen könnte, wie der Körper auf umfangreichen und langfristigen Gewichtsverlust in Bezug auf das Krebsrisiko reagiert.
Zusammenhänge von mehreren Faktoren
Zusammen deuten die Studien darauf hin, dass das reduzierte Risiko für Krebs nach Gewichtsverlust wahrscheinlich nicht auf einen einzelnen Faktor zurückzuführen ist. Stattdessen zeigen die Ergebnisse, dass mehrere biologische Mechanismen zusammenwirken, wobei Faktoren wie Insulin, Geschlecht und genetische Veranlagungen wahrscheinlich eine wichtige Rolle spielen.
Strategien zur Krebsprävention
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es biologische Unterschiede zwischen Personen gibt, die beeinflussen, wie stark das Krebsrisiko nach Gewichtsverlust verringert wird. Wenn wir diese Unterschiede verstehen, kommen wir den Mechanismen auf die Spur, die den Zusammenhang zwischen Adipositas und Krebs erklären“, sagt Kajsa Sjöholm, außerordentliche Professorin an der Universität Göteborg.
Die Erkenntnisse sind besonders relevant in einer Zeit, in der neue, sehr effektive Medikamente zur Gewichtsreduktion die Behandlung von Adipositas schnell verändern. Das Wissen über die Mechanismen hinter dem reduzierten Krebsrisiko könnte langfristig dazu beitragen, genauere Strategien zur Krebsprävention zu entwickeln.
Auf lange Sicht könnte dies den Weg für einen präziseren Ansatz in der Medizin ebnen, bei dem präventive Maßnahmen an Faktoren wie Geschlecht, metabolische Gesundheit und genetischen Hintergrund angepasst werden.“
Magdalena Taube, außerordentliche Professorin an der Universität Göteborg
Quellen: