Neue Forschungsergebnisse zum Thema Adipositas
Neue Forschungen, die auf dem Europäischen Kongress für Adipositas (ECO2026) in Istanbul, Türkei (12.–15. Mai) vorgestellt werden, zeigen, dass die meisten Gewichtsverluste bei der Behandlung mit GLP-1-Medikamenten gegen Adipositas aus Fettmasse (80–85%) bestehen und die relative Muskelmasse erhalten bleibt. Die Studie wurde von Emilia Ida Frohner, Dr. Alexander Jürets und Dr. Bianca Karla-Itariu vom Metabolismuszentrum N°12 Antonigasse in Wien, Österreich, und der Medizinischen Universität Wien, Österreich, durchgeführt.
Was sind GLP-1-Medikamente?
GLP-1 steht für „Glukagon-ähnliches Peptid-1“, eine Art von Hormon, das hilft, den Blutzucker zu regulieren und das Sättigungsgefühl zu steigern. Medikamente, die dieses Hormon nutzen, können Menschen helfen, Gewicht zu verlieren, indem sie die Fettmasse reduzieren, ohne die Muskelmasse signifikant zu verringern.
Mehrere klinische Studien haben gezeigt, dass Behandlungen, die auf GLP-1-basierenden Medikamenten (wie Semaglutid oder Liraglutid) und dualen Agonisten (wie Tirzepatid) basieren, sicher sind und zur Gewichtsreduktion sowie einem verringerten Risiko für gesundheitliche Probleme führen. Die Forscher versuchen jedoch weiterhin zu verstehen, wie sich diese Medikamente auf Muskel- und Fettmasse auswirken, wenn eine Person Gewicht verliert.
Was ist eine Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA)?
Die Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) ist eine nicht-invasive, schnelle und relativ kostengünstige Methode zur Schätzung der Körperzusammensetzung, einschließlich Körperfett, fettfreier Muskelmasse und Wasser. Hierbei wird ein schwacher elektrischer Strom durch den Körper geschickt. Diese Methode nutzt das Prinzip, dass fettfreies Gewebe den Strom besser leitet als Fett.
Um Veränderungen in der Körperzusammensetzung auszuwerten, ist es wichtig, nicht nur das Gewicht, sondern auch die Veränderungen in der Muskel- und Fettmasse zu betrachten, insbesondere bei der Anwendung von Adipositas-Medikamenten. In dieser neuen Studie haben die Autoren die Veränderungen in der Skelettmuskulatur und der Fettmasse während der Therapie mit GLP-1RA oder GIP/GLP-1RA bei adipösen Erwachsenen mithilfe der Bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA) untersucht und die Beziehung zwischen Fettverlust und Muskelmasseerhalt über die Zeit ausgewertet.
Studienbericht
Die retrospektive Kohortenstudie umfasste 486 adipöse Patienten (18 % männlich, 82 % weiblich; durchschnittlicher BMI 37,68 kg/m²; durchschnittliches Alter 49,9 Jahre), die zwischen 2022 und 2025 in einer spezialisierten privaten Adipositas-Ambulanz in Wien mit GLP-1-Rezeptoragonisten oder GIP/GLP-1-Rezeptoragonisten behandelt wurden (Liraglutid [8 %], Semaglutid [82 %] oder Tirzepatid [8 %]). Alle Patienten erhielten Empfehlungen bezüglich körperlicher Bewegung gemäß den aktuellen Richtlinien. Die Körperzusammensetzung wurde mithilfe der Bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA) bewertet.
Die Veränderungen in der absoluten und relativen Skelettmuskelmasse sowie der Fettmasse wurden über verschiedene Behandlungsdauern hinweg analysiert (<6 Monate, 6–24 Monate, >24 Monate). Wenn mehrere Messungen innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens vorlagen, wurde eine einzelne Messung pro Person basierend auf der längsten Zeit seit der Ausgangsmessung ausgewählt.
Ergebnisse der Studie
Nach einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von etwa 14 Monaten erzielten die Patienten einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 9,9 %. Die Fettmasse verringerte sich um 9,0 kg (ca. 18 %), während die Skelettmuskelmasse nur um 1,2 kg (ca. 5 %) abnahm. In mehr als 70 % der Fälle blieb die relative Muskelmasse erhalten oder nahm zu. Statistische Modellierungen zeigten, dass die Muskelmasse im Laufe der Zeit stabil blieb, wenn man die Veränderungen der Fettmasse berücksichtigte, was günstige Veränderungen der Körperzusammensetzung nahelegt, anstatt auf klinisch relevante Muskelatrophie hinzuweisen.
In angepassten linearen gemischten Modellen war die Zeit seit Behandlungsbeginn nicht unabhängig mit der Skelettmuskelmasse assoziiert, nachdem die Fettmasse und andere Variablen berücksichtigt wurden. Die Fettmasse war stark mit der absoluten Skelettmuskelmasse verknüpft, was auf proportionale Veränderungen in der Körperzusammensetzung hindeutet, anstelle eines unverhältnismäßigen Muskelverlusts.
Die Autoren sagen: „In dieser realen Kohorte war die Therapie mit GLP-1RA oder GIP/GLP-1RA mit einem erheblichen Rückgang der Fettmasse verbunden, während die Skelettmuskelmasse in relativen Begriffen weitgehend erhalten blieb. Unsere Analysen zeigen, dass die Skelettmuskelmasse über die Zeit stabil bleibt, wenn man die Veränderungen der Fettmasse berücksichtigt, was das Konzept unterstützt, dass der durch GLP-1RA induzierte Gewichtsverlust günstige Veränderungen der Körperzusammensetzung widerspiegelt, anstatt klinisch relevante Muskelatrophie zu bedeuten.“
Die Autoren weisen darauf hin, dass es sich um eine retrospektive Studie aus der realen Welt handelt, die eigene Einschränkungen aufweist, darunter fehlende Daten, keine Placebo-Gruppe und eine überwiegend weibliche Studienpopulation. Die Ergebnisse beziehen sich auf diese spezifische Behandlungsgruppe und -dauer; größere prospektive Studien sind erforderlich, um die langfristigen Auswirkungen zu bewerten.
Quellen: