Albträume und posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Albträume gehören zu den schmerzhaftesten Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Diese Krankheit kann entstehen, nachdem jemand schwere traumatische Erfahrungen gemacht hat, wie Naturkatastrophen, schwere Unfälle, Gewalttaten oder Kriegserlebnisse. Menschen, die betroffen sind, erleben diese Ereignisse nachts so intensiv, als wären sie real, immer wieder. Das führt zu extremer Schlaflosigkeit und Angst vor dem Schlafengehen. Vorhandene medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten helfen oft nicht ausreichend gegen diese Albträume.

Was ist PTBS?

PTBS ist eine psychische Erkrankung, die nach extrem belastenden Ereignissen auftritt. Das Gehirn kann diese überwältigenden Erfahrungen nicht richtig verarbeiten und speichert die Erinnerungen so, dass sie unkontrollierbar wiederkehren. Das geschieht auch nachts, wenn Menschen mit PTBS das Trauma immer wieder erleben, bis sie aufwachen – meist in einem Zustand der Panik.

Forschung an der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Forscher der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben untersucht, ob ein rezeptpflichtiges Medikament, das THC enthält – eines der aktiven Stoffe der Cannabispflanze – helfen könnte. Sie berichteten in Nature Medicine, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer auf die Behandlung ansprach, während mehr als ein Drittel eine vollständige Beseitigung der Albträume erlebte.

Was ist THC?

THC (Tetrahydrocannabinol) ist der Hauptbestandteil der Cannabispflanze, der psychoaktive Effekte hat. Es wirkt auf das körpereigene Endocannabinoid-System, das unter anderem den Schlaf, den Stress und die Verarbeitung von emotionalen Erinnerungen reguliert.

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Ein Cannabinoid speziell gegen Albträume

Cannabisbasierte Medikamente werden bereits zur Schmerzbehandlung eingesetzt, wenn die üblichen Behandlungen nicht ausreichen oder nicht vertragen werden. In Deutschland gibt es seit 2017 das Gesetz „Cannabis zu medizinischen Zwecken“, das es einfacher macht, pflanzliche oder synthetisch hergestellte Cannabinoide für medizinische Zwecke zu verwenden. In dieser Studie wurde eine Form von THC verwendet, die direkt aus der Cannabispflanze stammt: das rezeptpflichtige Medikament Dronabinol. Das Ziel war es herauszufinden, ob dieses Medikament Albträume im Zusammenhang mit PTBS lindern kann und ob es in diesem Zusammenhang sicher ist.

Studie und Ergebnisse

Mehr als 170 Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung und häufigen, intensiven Albträumen nahmen an der Studie teil. Über einen Zeitraum von zehn Wochen erhielten sie abends entweder das Medikament oder ein identisch aussehendes, cannabisaromatisiertes Placebo. Weder die Gesundheitsdienstleister noch die Teilnehmer wussten, wer welche Behandlung erhielt – dies ist der Goldstandard der medizinischen Forschung, ein sogenanntes doppelblindes, placebokontrolliertes Verfahren.

Am Ende der Studie waren die Albträume in der Dronabinol-Gruppe signifikant stärker zurückgegangen als in der Placebo-Gruppe. Auf einer Skala von null bis acht Punkten betrug der Rückgang des Albtraumschweregrads im Durchschnitt 3,7 Punkte, verglichen mit nur 2,2 Punkten in der Placebo-Gruppe – ein Unterschied, der für die Betroffenen spürbar war.

Mehr als ein Drittel der Patienten, die Dronabinol erhielten, berichteten, dass sie nach zehn Wochen keine Albträume mehr hatten. Weitere 21 Prozent berichteten, dass ihre Albträume sich mindestens halbiert hatten. Etwa fünf von sechs Patienten in der Dronabinol-Gruppe fühlten, dass sich ihre Gesundheit deutlich verbessert hatte.

Prof. Stefan Röpke, Abteilung für Psychiatrie und Neurowissenschaften, Benjamin Franklin Campus der Charité

Keine Abhängigkeit oder schweren Nebenwirkungen

Laut den Studien hatte das Cannabinoid einen spezifischen Effekt auf Albträume und den Schlaf, jedoch nicht auf alle Symptome der PTBS. Auch die Schwere der posttraumatischen Belastungsstörung und etwaige begleitende Depressionen änderten sich nicht signifikant. Trotzdem erlebte die Mehrheit der Teilnehmer eine deutliche Linderung, da die quälende nächtliche Wiedererlebnisse des traumatischen Ereignisses unterbrochen wurden und sie ruhig schlafen konnten. Die Einnahme des Medikaments verursachte keine schweren Nebenwirkungen; jedoch beobachteten die Forscher häufigere moderate und leichte Nebenwirkungen wie Schwindel, Kopfschmerzen oder erhöhten Appetit. Nach dem Ende der Studienphase und dem Absetzen der abendlichen Dosen traten keine Entzugserscheinungen auf. In den nächsten Schritten wollen die Forscher nun klären, ob die Einnahme des Cannabinoids auch langfristig wirksam und sicher ist oder ob sich über die Zeit eine Toleranz entwickelt.


Quellen:

Journal reference:

Roepke, S., et al. (2026). Dronabinol for nightmares in post-traumatic stress disorder: a randomized controlled trial. Nature Medicine. DOI: 10.1038/s41591-026-04546-9. https://www.nature.com/articles/s41591-026-04546-9